Die Römervilla der Nonii Arrii

Piazzale S. Maria del Benaco,
25088 Toscolano Maderno (Bs)

Die Römervilla der Nonii Arrii liegt nur wenige Meter vom Eingang der Papiermühle von Toscolano entfernt und stellt eines der bedeutendsten Wohngebäude der Römerzeit dar, die es am Gardaseeufer gibt.
Die Anlage dehnte sich unweit des Seeufers aus, die Hauptfassade war auf den See gerichtet. Die Wohnanlage, ihre Größe sowie die architektonischen und dekorativen Eigenarten fügen sie in die Gruppe der am Ufer des Benacus liegenden Villen ein, deren bekannteste Beispiele die Villen in Sirmione, (“Grotten des Catulls”) und Desenzano del Garda sind.
Die ersten archäologischen Funde in diesem Gebiet sind auf das XV. und XVI. Jahrhundert datierbar; gegen Ende des 19.Jahrhunderts kam es zu ausgedehnten Ausgrabungen, die dann wieder zugeschüttet wurden. Der reichste Teil der Entdeckungen lag “unterhalb der Kirche (der heutigen Pfarrkirche), am Seeufer, an der Stelle des herrschaftlichen Hauses, des Bauernhauses, des Obst- und Gemüsegartens, der Lustgärten und Felder der Präbende”. Hier “kamen ohne Unterbrechung Kolonnen und Statuen aus Marmor, literarische Tafeln, umfangreiche Mosaikbilder, Bleirohre, Flachziegel, Gegenstände aus Terrakotta, Medaillen, Münzen, fein bearbeitete Kapitelle und Simse, mit lebhaften und leuchtenden Farben bemalter Putz, eine breit gefächerte Auswahl an Marmorsteinen... zum Vorschein.” Die Villa gehörte vermutlich den Nonii, einer der bedeutendsten und einflussreichsten Familien aus Brescia, die in diesem Seegebiet und in der nahen Hügel-und Berggegend ökonomische Interessen sowie ausgedehnte Besitztümer besaß. Dank einer Inschrift, die vermutlich aus dem Villengelände stammt, wird diese Marcus Nonius Macrinus, im Jahr 154 Konsul, 170-171 Prokonsul Asiens, legatus und comes des Kaisers Marc Aurel, zugeschrieben. Was die Gardaseevillen anbelangt, handelt es sich um den einzigen Fall, bei dem nahezu ohne Zweifel der Eigentümer bestimmt werden konnte,zumindest mit Blick auf das II. Jahrhundert n.Ch., obgleich das Gebäude auch im Anschluss daran im Besitz der reichen und mächtigen Familie aus Brescia geblieben sein könnte. Obwohl die Villa nur teilweise ausgegraben wurde, ist ihr allgemeiner Lageplan schon deutlich erkennbar. Die Villa war zur Küstenlinie hin parallel angeordnet und musste mit ihrer zum See gerichteten, vorderseitigen Loggia und ihren nördlich und südlich verlaufenden Vorbauten ein momumentales Erscheinungsbild besitzen. Sie wurde im I. Jahrhundert n.Ch. erbaut, unterlag in den späteren Jahrhunderten bis Anfang des V. Jahrhunderts n.Ch.mehreren Veränderungen und Umbauten, wobei ein bedeutender Zeitabschnitt auf die erste Hälfte des II. Jahrhunderts n.Ch. datierbar ist.
Der einzige, derzeit besuchbare Bereich ist der im Süden liegende Sektor A, der zu einem der beiden seitlichen Vorbauten der Anlage gehörte. Hier sind verschiedene Räumlichleiten zu sehen, einige davon mit Mosaiksteinboden und Außenmauern, die sich bis zu einer Höhe von über einem Meter erhalten haben, sowie bedeutenden Überresten der Wandmalereidekorationen. Zugang hatte man über einen langen Korridor, der mit kostbaren und noch an langen Abschnitten erhalten gebliebenen Wandmalereien verziert war welche einen schwarzen Sockel und einen mittleren Bereich mit weißem Hintergrund sowie Tafeln aufwiesen, die durch feine und zarte, senkrecht verlaufende Pflanzenelemente geteilt waren. Die zentrale Achse der Villa lag etwas nördlicher, etwa 50 Meter vom Sektor A entfernt, und zwar an der Stelle, an der das Bauernhaus zwischen der Villa und der Pfarrkirche steht. Hier kam in den Jahren 1995-2000 ein zweiter Kern (Sektor B), ebenfalls nicht gänzlich erforscht, ans Licht, in dem sich ein großer zentraler Raum, vermutlich ein triclinium mit daneben zwei weiteren apsidialen Räumen, zur Loggia mit Seeblick hin öffnete. Vor der Loggia befand sich in einem großen Garten ein großes rechteckiges Brunnenbecken in sehr ausgearbeiteter Form, von 47 Metern Länge und 6 Metern Breite. Seine Präsenz stellt für die Villa ein Prestigeelement dar und bestätigt die großartige architektonische Anlage des Gebäudes, das mit seinen architektonischen Lösungen und der zum See gerichteten Panoramafront sofort die soziale Stellung des Besitzers anzeigen konnte. Die Villa verwahrte bis zu ihrer Zerstörung die typischen Aspekte eines sehr luxuriösenGebäudes. Das Gebäude von Toscolano, das mit einigen der wichtigsten, an den Seeküsten liegenden Villen des otium vergleichbar ist, ruft das verlängerte Villenmodell mit spektakulärer Fassade in Erinnerung, das auf das Haus von Augustus auf dem Palatin zurückgeht und sich vor allem in den Villen der westlichen Provinzen durchsetzen wird. Aber Villenbeispiele mit Räumen, die auf eine von Bogengängen umgebene Stirnseite blicken, welche zum Meer hin wirkungsvoll liegt, gibt es auch im italischen Gebiet, von der Villa von Minori an der thyrrenischen Küste bis hin zur Villa von Barbariga (Kern einer Sommerresidenz) oder am Berg Kolci auf Veli Brijuni, um nur die bekanntesten und großartigsten Beispiele zu nennen. Der Königshof Nach dem Besuch der römischen Villa begeben wir uns zur heutigen Pfarrirche von Toscolano. Dieses ganze Gebiet, das zu Römerzeiten zum Grundbesitz der Villa gehörte, ging in den Jahrhunderten nach seiner Verwahrlosung vermutlich auf den Königsfiskus über; hier ist in der Tat im Hochmittelalter ein Königshof mit seinen Pertinenzen urkundlich belegt. Diese wurden anschließend dem Episkopat von Brescia abgetreten, das sie den Kanonikern gewährte. Auf diesen Ländereien gab es im Gebiet zwischen den Villenruinen unddem Endstück von Via Trento (jenseits der heutigen Staatsstraße Gardesana) vor dem Jahr Tausend sage und schreibe drei Kirchen: San Pietro, Santa Maria di Benaco und Santo Stefano, welche sich an der Stelle des heutigen Hotels Adria befand und gegen Ende des 19. Jahrhunderts vollständig abgerissen wurde. Die Anwesenheit von drei Kultstätten in einem sehr engen Raum fiskalrechtlicher Natur ist kein Unikum; es handelte sich um Mehrzweckanlagen, in denen eine Kirche die Seelsorgefunktion ausübte, ein Taufbecken aufwies und folglich einen Sprengel bildete, während es sich bei den anderen um Grabgebäude handelte, die manchmaleinem privaten Grabmausoleum entsprangen.
 
Opening:
von Mai bis Ende September: Eintritt frei jeden Samstag und Sonntag 10-12 Uhr 15-18 Uhr